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…für das lachende Auge

Verlage verlangen Stopp der Berichterstattung

Neven DuMont und Hubert Burda: ARD und ZDF sollen schweigen, Grundlage: cc (by) Alessio, cc (by-nc-sa) Nils Novinky, cc (by-nc-sa) Hubert Burda Media

Dass der neue Rundfunkstaatsvertrag ein Kompromiss zwischen Lobbyisten in der Regierung und Interessensvertretern der Verlage ist, ist allseits bekannt. Die neueste Forderung ist jedoch so durchsichtig, dass sogar einige Politiker von „Dreistigkeit“ sprechen und somit die positive Berichterstattung über sich durch die Papier- und Bildschirmdrucker freiwillig gefährden. ARD und ZDF sollen Berichte über den Rundfunkstaatsvertrag und seine Entstehung unterlassen und Beiträge in den Sender-Archiven für immer löschen.

Die Einschränkungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes im Internet war die erste Forderung von privaten Bildschirmzeitungsmachern. Die Verleger hatten berechtigte Ängste: Ein Konkurrenzkampf, der sich auf die Qualität der Angebote gerichtet hätte, wäre von ihnen nie gewonnen worden. So besprachen sie in angemessener Atmosphäre bei Rotwein und mit mafiösen Andeutungen (man würde alle Schreib- und Druckarbeiter auf einmal entlassen) die Details mit ihren Freunden aus der Landespolitik. Ob bei diesen Treffen Abmachungen über positive Berichterstattung gemacht wurden, konnte bis heute nicht abschließend geklärt werden. Regierungssprecher Steffen Seibert meint auf Nachfrage nur: „Ein Austausch zwischen Journalisten und Politikern ist völlig normal und fördert die Arbeit von Journalisten und die Aufklärung in unserer Demokratie. Der Ort und die Umstände der Begegnung werden von uns im konkreten nicht kommentiert.“

Nun ist den privaten Kreisen jedoch ein neuer Aspekt Dorn im Auge: ARD und ZDF berichten über sich selbst und die politischen Auseinandersetzungen um ihr Schicksal. Man vermutet nun ganz offen Parteilichkeit und möchte alle Berichte sofort stoppen und für immer löschen. Ein Neffe von Stefan Aust, der den Verband der Verleger heuer leitet, nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wenn ein Sender verpflichtet ist, sachlich und nach journalistischen Standards über unser Land zu berichten, kann es nicht sein, dass man sein eigenes Schicksal in die Hand nimmt, sich selbst darstellt, in der Politik mitmischt, die einen reguliert. Dies ist seit je her – und ich berufe mich hierbei auf eine lange gewachsene Institution – das Privileg der privaten Medien.“

Jüngst hat sich Jürgen Papier, der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, noch einmal zur Debatte von Internetangeboten geäußert und das Internet eher als „Rundfunk“ denn als „presseähnlich“ beschrieben. Der jetzige Vorstoß der Lobbyisten kann durchaus mit der diesbezüglichen Panik in den deutschen Privatmedien erklärt werden. Sie müssen in die Offensive gehen und rechtzeitig reagieren.

Unter vorgehaltener Hand vermuten viele – so Insider -, eine erneute Außeinandersetzung um das Internet würde verloren. Man müsse den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Diskussionsteilnehmer mundtot machen. Ein Symposium zur „Schädlichkeit öffentlich-rechtlicher Medien“ ist ein erste Offensive und soll auf RTL, ProSieben und SAT.1 synchron ausgestrahlt werden. Man wartet mit viel Prominenz auf: Silvio Berlusconi und die Miss Italia diskutieren mit Steffen Seibert am kommenden Samstag die Nachteile einer „vierte(n), nicht-private(n) Gewalt im Staat“. Spannend.


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Filed under: Satire deutsch

2 Responses

  1. gonzio sagt:

    Die hiesige Satire nutzt den Unsinn, um den Unsinn ernster Personen und Organisationen in den richtigen Kontext zu stellen. Herr DuMont darf natürlich gerne (in Form ihres Links) hier zu Wort kommen.

    Eine – zwar betrunkene und übers Ziel hinausschießende – Zuspitzung des Themas Rundfunkstaatsvertrag habe ich auch hier gefunden:

    http://drunkennews.blogspot.com/2010/01/das-offentlich-rechtliche-gedachtnis.html

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