Finale ohoo, Finale ohohohoo. Jetzt gibt es kein zurück mehr. Lange ruhte das hiesige Satire-Experiment; nun soll es wenigstens eine Trauerrede bekommen. Wissenschaft beginnt immer erst mit dem ‘Ende‘. Der Moment, in dem ein Fazit gezogen werden muss, entscheidet. Alles zwischendurch ist nur Kunst. Das will der Wissenschaftler natürlich nicht wahr haben; und der Künstler wohl auch nicht. Dieses Satire-Blog macht es nun vor und beendet sich, weil Regisseur Gonzo endlich laut “Ausschnitt” schreit. Man muss Blogs begraben. Wirklich. ich habe sogar ernsthaft einen Blogfriedhof geplant. Es bleibt die entscheidende Frage: Hat es hier vorher Kunst gegeben, die ein Ende, ein Fazit spannend macht? Nein. Der Weg war dilettantisch und sollte von keinem vorvollzogen werden, der Satire nachvollziehen möchte.
Entscheidend ist aufm Platz
Um die Zahlenwissenschaftler zu befriedigen, zunächst ernüchternde Daten: In 8 Monaten aktiver Arbeit auf diesem Blog kam es zu 2.245 Aufrufen. Danach blieb es bei einem Grundrauschen von 50 Besuchern pro Monat. Die Facebook-Page war eine nette Idee, hatte aber keinen einzigen Effekt auf die Anzahl der Blogbesuche. 33 Beiträge mit Bild brachten also jeweils im Schnitt 68 Aufrufe und nachträglich 50 verrückte Google-Ansprünge pro Monat, deren Suchbegriffe von der verzweifelten Suche nach Pornos im Netz künden. Eine Satire zu verfassen, hat mich inklusive Bildcollage 1-4 Stunden gekostet. Der Flattr-Gewinn (alltime) liegt bei 35 Cent.
Erkenntnisse?
Zwei grundsätzliche Erkenntnisse ziehe ich aus dem hiesigen Selbstversuch.
1. Ohne aktuelle Relevanz, kein Erfolg bei den Lesern. Die anfängliche lange Produktionszeit eines gutes Textes war der Tod. Man muss auf der Welle eines Medienereignisses mitschwimmen, denn nur eine allseits bekannte Angriffsfläche macht die Satire überhaupt erst verständlich. Sie ergibt sonst für die meisten Leser schlicht keinen Sinn. Ich habe versucht, durch den Reporterstil Dringlichkeit und Aktualität anzudeuten, um die Nachträglichkeit zu kompensieren.
2. Die Satire verführt zur indirekten Konfrontation. Ich hätte am liebsten immer selber verführt, den Leser in eine Geschichte gezogen, ohne dass er ahnt, wie ich ihn erwische. Satire ist immer auch eine pädagogische Phantasie. Es funktioniert jedoch nicht. Es dauert zu lange. Lasst es sein. Zumindest im Internet und wenn man auf Verbreitung angewiesen ist, sollte man plakativer agieren. Dort hilft auch kein Gonzo- oder New Journalism-Stil, die einen direkt in ein persönliches Erleben ziehen. Setzt auf Bilder. Text ist nur Beiwerk. Man könnte auch “Bleiwerk” sagen.
Weitere Erkenntnisse nach diesem kurzen privaten Satire-Ausflug umfassen Erfahrungen mit fiktiven Themenkollisionen, taktischen Ebenenwechseln, einen Blick für Arguing- und Bargaining-Mechanismen, etwas Online-Handwerk und grundsätzlich ein Gespür für das satirisches Potenzial von Themen. Wenn es um die Macht geht, gibt es eigentlich immer irgendwo Unverhätnismäßiges, über das man sich belustigen kann. Denn Macht bedeutet das Produzieren von Unterschieden.
Der letzte Beitrag hier ist nun schon etwas her. Meine Einordnung der Satire an sich hat sich als Netzrhetoriker inzwischen etwas verschoben: Sie ist nur eine Geste unter vielen (siehe hier). Ich glaube jedoch, dass die “Satire” für viele – wie auch für mich früher – weiterhin populärer Oberbegriff der lustigen Provokation ist. Neben der ‘Parodie’ bleibt sie das weit verbreitete Schlag- und Signalwort für alle kreativen rhetorischen Angriffe. Von mir gibt es nun erst mal keine Satire mehr. Gut so! Interessiert ja auch nicht (Deine Mutter).
Es grüßt der späte Gonzo aus einem frühen Blogprojekt.
Hier eine kleine Liste meiner persönlichen Lieblinge. Andere Online-Satire findet ihr hier auf WMD.
Satire zu Bergwerkunglück in Chile
Satire zu Chinas Nobelpreisträger
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