Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) findet in der Zeitung „die Welt“ klare Worte: Die Abgänger von der Universitäten sind Fachidioten und in den Unternehmen nicht zu gebrauchen. Eine Erhebung der DIHK ergab: Viele Unternehmen entlassen die Hochschulabgänger bereits in der Probezeit. Da Fachkräfte in Deutschland jedoch durch die Konjunktur so rar wie nie sind, denken die Universitäten nun über “Probezeiten” für Unternehmensführer nach.
Welcher Unternehmer bildet aus? Welcher Firmenlenker ermöglicht learning by doing, Volontariate und Trainee-Stellen in seiner Belegschaft und denkt nicht nur in Kategorien ‚Sales’, ‚Marketing’ und ‚PR’ sondern auch innovativ? Die Direktorenkonferenz deutscher Universitäten plant nun einen diesbezüglichen Index, der Hochschulabgängern zeigen soll, welcher Betrieb lernfähig ist, auf neue Mitarbeiter gespannt ist und wo man „dem Chef schon auf den Schlips tritt, wenn man nur den Begriff ‘Location Based Service’ in den Mund nimmt“ meint deren Sprecher, Klaus Hunneford.
„ Wir befinden uns in Deutschland in einer ambivalenten Situation: Zum Einen leben wir vom Unternehmertum und starken Persönlichkeiten, privatem Risiko und Eigenwilligkeit, zum Anderen ist vielen ehemaligen Machern ihr Erfolg zu Kopf gestiegen. Sie glauben, alles zu wissen und schauen auf neues Denken, das aus den Universitäten kommt, herab. Diese Menschen zitiert ja auch die Studie des DIHK. Wir haben viele gute Abgänger, die nicht sind wie die alte Garde – und das ist gut so. Doch wir müssen sie schützen vor den Selbstgefälligen Entscheidern in Deutschland. Der Index soll hier ein Beitrag sein.“
Selbstkritik an der Struktur der deutschen Studiengänge lässt Hunneford nicht gelten. Ganz anders der Sprecher der DIHK, Maximilian Kraft: „Fachidioten sind ein Ergebnis von Idiotenfächern: Wir brauchen keine Luftikusse und Wissenschaftler. Wir brauchen fertige Menschen, die man einsetzen kann, ohne über sie und ihre Ausrutscher nachdenken zu müssen. Das Experimentieren gehört in den Kindergarten. Dieser zukünftige Index ist ein Affront!“
Dass es auch die Wirtschaft versäumt hat, Ausbildungsplätze zu schaffen und Fachkräfte in ihren Unternehmen anzulernen, will Kraft wohl nicht wahrhaben. Dass nun die Innovationshoffnungsträger an den Universitäten zu Fließbandarbeitern degradiert werden sollen, gerät in diesem Zusammenhang natürlich zur Zynik. In Zukunft wird diese Zynik Teil des Präventiven Forschungs Und Innovations Index (PFUI-Index) der Universitäten. Mehr Verantwortung für Berufseinsteiger und eine innovative Unternehmenskultur können der deutschen Wirtschaft, die gerne auf die Jugend schimpft, sicher nicht schaden. Wünschen wir den DIHK-Idioten Glück.
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